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23.02.2010 Mail Art - KUNSTPOST-POSTKUNST in der PYRAMIDE – Vernissage am 27.02.
Berlin, den 23.02.2010

Mail Art - KUNSTPOST-POSTKUNST - Die PYRAMIDE, Riesaer Str. 94 lädt vom 27.Februar bis 20.März, werktags von 10.00 – 18.00 Uhr ein zu einer Ausstellung mit Firchau, Graufeld, Joswig, Krause, Rehfeldt, Schmidt, Stützle, Wawerzinek, Wiemann und Freunden

Die Vernissage findet am Samstag, den 27. Februar um 18.00 Uhr statt.

Intro: Krause und Graufeld

Sie alle sind seit Jahren befreundet, ein Berg von Postkarten quillt über, Dokumentation eleganter Fingerspiele, überschäumenden Esprits. Nun wird sortiert, an die Wand gehängt. Die Raffinesse der geschnippelten Sätze, die geklebt wurden, hat Methode, hat Tradition. Vorläufer der Idee mag Monet gewesen sein, der seine Bettelbriefe mit Malerei umrandete oder George Grosz, der große Dadaist.

„Unsere Ideen helfen anderen Ideen“, „Diese Karte teilt Ihnen meine Gedanken mit, denken Sie weiter!“, so Robert Rehfeld, der Anfang der siebziger Jahre ein weit reichendes Kontaktnetz zwischen Ost- und Westeuropa, den USA und Lateinamerika durch künstlerisch gestaltete Postkarten aufbaute.

Post soll ja auch ein Vervielfältigungssystem von Ideen sein, jeder, der sie unterwegs in die Hand nimmt, knabbert ein bisschen Geist ab und wird sich am Widerstand laben. Was für ein subversives Breitenstreuprinzip: 150 Postkarten verschickte der Fotograf Krause früher zum Jahreswechsel, manche Freunde traf er selten, doch sie alle freuten sich auf die Post zu Weihnachten. Ein alter Heiliger mit Bart und schütterer Brust: „Buy before I die!“.

Das war schon klar und kam trotzdem an: Auf einer Postkarte 1986 die Mauer im Wedding: „Erich, rück den Schlüssel raus!“ Aber auch hintergründige Kostbarkeiten, historische Fingerzeige von großem ästhetischen Wert: ein getuschtes Ruderboot auf Silber mit einem Rudel oder Stocher, der Mond spiegelt sich in den Fahrrillen des Wasser... Romantischer könnte es nicht sein, eine Kahnfahrt für Verliebte, nein, dort steht ja nur einer, und das Boot gleitet von einer Gegenwart zur anderen, von hier zum Hades. Wer weiß, ob wir schon tot sind, aber bei diesem Bild werden wir getröstet. Wenn eine Milchpackung zerschnitten wird, passt die Briefmarke auf das Silber der Rückseite und dann merkt auch jeder, dass es mit Recycling nichts auf sich hat. „Wir sind damit groß geworden, allem zu misstrauen, so Poppmann alias Graufeld.

Interne Kommunikation, echte Mitteilungen sind es, die sich gegen Mediensätze retten: ironisch, verspielt, immer wieder zu sich selbst zurück findend. Gleich blödelt es sich intellektuell voran, „Ich muss an der Metrik arbeiten, so kann’s nicht weitergehen“, ein paar Weinetiketten dazu, und schließlich ein Marx-Zitat über die Überheblichkeit des Intellektuellen, die von der Praxis Lügen gestraft wird – was halt so drauf steht auf den Sachen … vielleicht.

Ort: Ausstellungszentrum PYRAMIDE, Riesaer Str. 94, 12627 Berlin, Tel.: 90293-4132

Öffnungszeiten: werktags 10.00 – 18.00 Uhr, Eintritt frei




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